Quadratisch, praktisch gut – Web 2.0

Seit Ende 2003 geistert ein Begriff durchs Netz, von dem viele gar nicht genau wissen, wofür er überhaupt genau steht: Web 2.0

GänsefüsschenWie, 2.0? Eine Versionsnummer fürs Internet? Und was war dann 1.0 und wieso hieß das nicht so?

Nein, nicht das ganze Internet. Genau genommen nur das World Wide Web. Hier sei gesagt, dass es sich nicht um eine echte Versionsnummer handelt. Die Versionsnummer sollte den Eindruck vermitteln, dass ein neues Zeitalter der Netzgeschichte angebrochen sei. So empfanden und nutzen  viele das WWW bisher lediglich in etwa wie einen Fernseher. Menschen stellen Inhalte ins Netz, die andere Menschen konsumieren konnten. Spannend, aber trotzdem passiv. Die entscheidende Wende sollten die sogenannten Webanwendungen bringen:

Plötzlich konnte geantwortet werden. Kommentare auf Webinhalte, Formulare die ausgefüllt werden konnten und die in Echtzeit entsprechende Ergebnisse auslieferten. Interaktion, Kommunikaton, Aktion und Reaktion.  Und das nicht nur mit der Maschine, sondern von Mensch zu Mensch weltweit!

Der User Generatet Content war geboren und veränderte die Wahrnehmung und das Verhalten der Menschen im Netz.

Aber nicht nur die offensichtlichen Veränderungen unterscheiden Web 2.0 von seinem vermeintlich statischen Vorgängermodel. Sogenannte „neue“ Technologien im Hintergrund sollten den Umgang mit Netzwerken und Daten revolutonieren:

Das neue Konzept der asynchronen Datenübertragung „Ajax“ zwischen dem heimischen Rechner und dem Server, auf dem die Webinhalte gespeichert sind, machte ein felxibleres Nutzerverhalten möglich. Zum Beispiel sorgt Ajax dafür, dass Sie unter diesem Artikel einen Kommentar schreiben und absenden können, ohne die komplette Seite neu zu laden. So wurde es für alle einfacher und vor allem schneller, die Inhalte des WWWs zu bearbeiten  und so auch diese Seite selbst aktiv mitzugestalten.

Auch webbasierte Anwendungen wie Google Drive oder Wikipedia, die es erlauben, dass viele Menschen gemeinsam und in Echtzeit am selben Projekt arbeiten können, ohne sich dabei in die Quere zu kommen, werden als wesentliches Merkmal des Web 2.0 genannt.

Und dennoch ist der Begriff nicht technischer Natur. Die Veränderung des Worl Wide Web kam sukzessive und nicht – wie dieser Ausdruck vielleicht scheint – mit einem großen „Versions-Update“. Tim Berners-Lee, der Erfinder und Entwickler der Auszeichnungsprache HTML, des Transferprotokolls HTTP und des ersten Browser Nexus äußert sich kritisch zu der Darstellung, dass erst seit Web 2.0 Menschen untereinander tatsächlich vernetzt seien:

GänsefüsschenTotally not. Web 1.0 was all about connecting people. It was an interactive space, and I think Web 2.0 is of course a piece of jargon, nobody even knows what it means. If Web 2.0 for you is blogs and wikis, then that is people to people. But that was what the Web was supposed to be all along.“ (Quelle: Tim Berner-Lee, Interview bei IBM)

„Auf gar keinen Fall! Beim Web 1.0 handelte sich ausschließlich darum, Menschen zu vernetzen. Es war ein interaktiver Raum und ich glaube der Begriff „Web 2.0″ ist nichts weiter als ein umgangssprachlicher Begriff von dem niemand so recht weiß, was er eigentlich bedeuten soll. Wenn Web 2.0 für sie Blogs und Wikis sind,  … blablabla. Aber das ist genau das, was das Web schon die ganze Zeit sein sollte.“

Tim Berner-Lee sieht also im sogenannten Web 2.0 keine große technologische Neuschöpfung, sondern noch genau das, was es schon immer war: Ein weltweites Netz, das Menschen miteinander verbindet. Die Weiterentwicklung der Technologien ist also keine Revolution, sondern eine Evolution und auch diese ist längst nicht zuende. Die selben Wissenschaftler, die einst in CERN das WWW begründeten haben das Web 2.0 längs überholt.

Die Zukunft liegt im semantischen Web, dass laut Berners-Lee nicht länger nur Daten, sondern echte Informationen auf der Ebene ihrer Bedeutung miteinander zu verknüpfen sucht. Ein erster Schritt in diese Richtung ist Social Media, das viel mehr ist, als nur ein einfaches Netzwerk.

Wen wundert’s dass der Marketingbegriff „Web 2.0“ bereits langsam wieder aus der Fachpresse verschwindet? Uns zumindest nicht. Nur wer das World Wide Web als das versteht, was es ist, kann es auch effektiv für sich einsetzen: Ohne etwas zu verpassen, aber trotzdem nur das, was individuell wirklich von Nutzen ist.

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