Markiere deine Freunde!

Seit einigen Tagen gastiert Roncalli direkt am Rheinufer. Eine kleine Zeitreise und jede Menge Motive, um schöne Fotos zu machen und sie dann natürlich bei Facebook hochzuladen.

Gesichtserkennung

Aber Facebook wäre nicht Facebook, wenn es dabei nicht wieder zu einem kleinen Intermezzo der Funktionalitäten käme.

Die Facebook-Gesichtserkennung hat das ganz richtig interpretiert, diese Clowns sind meine Freunde. Manche davon seit frühester Kindheit. So werde ich nie vergessen, wie der unvergessen Pic als Pierrot Lunaire in seine eigenen Seifenblasen kletterte.

Wie funktioniert das?

Bei Facebook handelt es sich um die einfachste Form der Gesichtserkennung, die Lokalisierung. So werden zunächst hochgeladene Bilder nach gesichtstypischen Pixelmustern mit Hilfe spezieller Algorithmen durchsucht und diese Bereiche mit einem gelben Kästchen markiert.  Die Zuordnung zu einer bestimmten Person – also die gefürchtete Personenerkennung – findet in forensisch verwertbarer Qualität bisher nicht statt. Erfahrungsgemäß klappt diese Personenerkennung nicht einmal für den Hausgebrauch.

PlakatDie Gesichtserkennungs-Technologie ist übrigens keine perfide Idee vom gefürchteten Big-Brother-Facebook oder straffer Überwachungsstaaten. Kaum eine Digitalkamera kommt heute noch ohne den Abgleich der als Gesicht zu identifizierenden Bildbereiche aus. Dies soll ermöglichen, auch mit wenig Fotografiererfahrung oder bei schlechten Lichtverhältnissen bestmögliche Ergebnisse zu erzielen.

Dabei werden die Bilder auf eine ähnliche Weise visuell abgetastet, wie es auch unser Gehirn tut. Hierbei laufen parallel drei Vorgänge ab: Das Sehen, das Erkennen und die Lokalisation. Das Licht trifft auf die Rezeptorzellen in der Netzhaut. Die Netzhaut entwickelt sich im frühen Embryonalstadium aus einem Teil des Gehirns und kann daher völlig autark agieren. Sie unterscheidet bereits wichtige von unwichtigen Bildinformationen und kann die wichtigen entsprechenden Erfahrungswerten zuordnen und damit erkennen, was gesehen wird. Die Verarbeitung dieser Informationen beginnt im visuellen Cortex, der unsere visuelle Wahrnehmung steuert. Hier findet sowohl das Erkennen um was es sich handelt, als auch die räumliche Einordnung statt. Diese Informationen setzt das Gehirn zu einem vollständigen Bild zusammen.

Die Technologie der Gesichtserkennung

KünstlercaféTechnologisch funktioniert das ähnlich. Auch hier wird der gesamte Prozess in mehrere Arbeitsschritte gegliedert. So wird das empfangene Bild zunächst auf feste Merkmale abgesucht, die auf ein menschliches Gesicht schließen lassen. Augenabstand, Wangenknochen und Kopfform. Diese grobe Vorauswahl wird anschließend nach weiteren Kriterien gescannt. Bestimmte geometrische Formen und deren Abstände, aber auch Farbwerte wie der Hautton gehören hier dazu. Passt hier alles zusammen, wird dieses erkannte Gesicht auf der Festplatte der Kamera gespeichert und als Vergleichmuster herangezogen.

Die Technologie der Gesichtserkennung als solche ist also eine gute und hilfreiche Erfindung. Eine moralische Wertigkeit erhält sie erst durch ihre manchmal fragwürdigen Einsatzgebiete.

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